Zbigniew Seifert oder die Auferstehung von den Toten

Zbigniew Seifert oder die Auferstehung von den Toten

  1. Akt:

Solothurn (CH), 16. Januar 1976: Nach mehreren Tagen Proben im Haus des Veranstalters gibt das Quartett „Variospheres“ (Zbigniew Seifert, violin – Michel Herr, piano – Hans Hartmann, bass – Janusz Stefanski, drums) um den polnischen Jazzgeiger Zbigniew Seifert abends ein Konzert im Solothurner Landhaussaal im Rahmen der Solothurner Jazztage 1976. Der Saal ist ausverkauft, die Stimmung zwei mal fast eine Stunde lang auf dem Höhepunkt. Großartige Musiker, fantastische Musik, kochender Modern Jazz, hoch virtuos und musikalisch gespielt. Ein Tontechniker vor Ort schneidet das Konzert auf 2-Spur-Maschine mit, die Bandspulen wandern ins Archiv des Veranstalters Six Trutt.

     2. Akt:

Solothurn (CH), 1984: Ich gastiere in Solothurn mit Jürgen Wuchner und dem „String Project“ ( Jürgen Wuchner und Stefan Schmolck, Bass – Gerd Putschögl und Mic Oechsner, Violinen) für ein paar Konzerte, und wir wohnen und proben ebenfalls beim Veranstalter Six Trutt zu Hause. Nach dem Konzert kommt Six mit einer Cassette auf mich zu und sagt: „Du stehst doch so auf Zbigniew Seifert – hier ist ein Konzertmitschnitt von vor ein paar Jahren bei einem Konzert hier bei uns“. Ich freue mich natürlich wahnsinnig über dieses Geschenk, und kaum wieder daheim, lege ich mir die Cassette ein – und spiele sie ständig, viele Jahre lang, immer wieder…

    3. Akt:

Frühjahr 2017, Niederösterreich, in meinem Tonstudio: Nach der traurigen Nachricht vom Tod meines Lieblingsschlagzeugers Janusz Stefanski produziere ich einen 15-minütigen Hörfunk-Beitrag für den Bayrischen Rundfunk über meine Erlebnisse mit Janusz. Im Zuge meiner Recherchen über ihn komme ich nicht nur in Kontakt mit seiner wunderbaren Familie, sondern auch mit der „Fundacja im. Zbigniewa Seiferta„, Krakau, die auf ihrer Website bekannt gibt, soeben eine seltene Duo-Aufnahme von Zbiggy und Richie Beirach veröffentlicht zu haben. Ich ordere mir die CD sofort – und stelle fest, dass es exakt das Material ist, das ich selbst von Seiferts Witwe ein Jahr nach dessen Tod in München erhalten habe, eine genaue Kopie meiner eigenen Cassette (eindeutig identifizierbar an zwei Bandfehlern!). Daraufhin schreibe ich der Vorsitzenden der Seifert-Gesellschaft, und wir kommen ins Gespräch. Ich erzähle ihr auch, dass ich eine weitere Cassette mit unveröffentlichtem Material von Zbiggy besitze: Eine Aufnahme vom 16.01.1976 aus Solothurn. Sie ist sofort hochinteressiert, und ich schlage vor, das Material nochmals im Original aus Solothurn zu besorgen und hier in meinem Studio zu Re-Mastern, damit sie es dann auf CD herausbringen kann.

    Vorletzter Akt:

Oktober 2017, Niederösterreich, in meinem Tonstudio: Soeben habe ich das Material fertig gestellt und übermittelt. Die CD soll noch vor Weihnachten herauskommen, erhältlich über Fundacja im. Zbigniewa Seiferta.

Was für eine Geschichte…

   Letzter Akt: 2017-12-01 Release!

Die CD ist veröffentlicht (und gestern bei mir angekommen) – und ich muss sagen: Der Sound ist gemessen am Original wirklich nicht schlecht 🙂

Gleichzeitig wurde weiteres historisches Material von Zbiggy auf eine zweite CD gepresst: Das Solo-Konzert in Bremen am 19.05.76 – auch diese Aufnahme klingt (dank Original-Bändern von Radio Bremen) ganz hervorragend und beinhaltet sogar den Publikumsapplaus, der auf der alten Vinylpressung abgeschnitten wurde. Ein Muss für Zbiggy-Fans!

Hier der offizielle Shop-Link:

https://jazzshop.eu

 

 

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